2. Hilfen & Angebote

2.2 Medizinische Versorgung

Gerade wenn Du wohnungslos und in einer schwierigen Lebenssituation bist, ist Gesundheit ein wichtiges Thema. Du stehst unter besonders starkem Stress, bist häufig und bei allen Witterungen draussen, musst viel laufen, hast manchmal nicht die richtige Kleidung, hast Mühe, frische und neue Klamotten zu besorgen, Deine Ernährung ist unregelmäßig und einseitig. Vielleicht konsumierst Du dazu noch Drogen und/oder Alkohol und Dein Körper ist sowieso schon geschwächt.

Das alles sind Punkte, die Deinen Körper und Deine Gesundheit besonders belasten. Genau aus diesem Grund solltest Du die Hinweise Deines Körpers nicht ignorieren - wird schon vorbei gehen - sondern besonders ernst nehmen. Gerade leichtere Erkrankungen - eine Erkältung, Hautprobleme oder eine offene Wunde - wachsen sich sehr schnell zu chronischen Leiden aus, wenn sie nicht rechtzeitig beachtet und behandelt werden.

Nur, wenn Du halbwegs gesund bist, kannst Du Deine Angelegenheiten gut erledigen. Hilfe gibt es auch ohne Krankenversicherung. Solltest Du krank sein und ärztliche oder zahnärztliche Hilfe benötigen, gibt es auch hierfür erste Anlaufstellen.

Das Berliner "Arztmobil", ist, wie der Name schon sagt, ein mobiler Kleinbus, der mit niedergelassenen Ärzten, einer Krankenschwester und einer Sozialarbeiterin besetzt ist. Das Arztmobil steht stundenweise an Notübernachtungen, Suppenküchen, Bahnhöfen und Szeneplätzen. Das Angebot richtet sich an Wohnungslose, an Menschen ohne Papiere und Krankenschein, an Menschen, die - aus welchen Gründen auch immer - keine Sozialhilfe in Anspruch nehmen, und auch an Kinder und Jugendliche aus diesen Zielgruppen.

Das Arztmobil leistet eine medizinische und pflegerische Basisversorgung. Die Hilfe ist kostenlos und anonym. Kontakte zu weiterführenden Hilfen können vermittelt werden. Die aktuellen Einsatzorte und Einsatzzeiten sind im Adressteil aufgeführt.

Weitere Angebote für Wohnungslose sind die Ambulanz für Wohnungslose in der Jebensstraße am Bahnhof Zoo. Hier stehen ein Labor, EKG, Möglichkeiten der Grundpflege (Entlausung, Nagelpflege, Dusche usw.) zur Verfügung. Auch können "Läusescheine" für Notübernachtungen ausgestellt werden und es gibt eine Versorgung mit Hilfsmitteln (Brillen, Unterarmstützen usw.)

Auch am Ostbahnhof sowie in der Nähe vom Bahnhof Lichtenberg existieren jeweils eine Arzt- und Zahnarztpraxis sowie eine Beratungsstelle für Obdachlose. Die Anlaufstellen und deren Öffnungszeiten findest Du im Adressteil.

In akuten Notfällen sind natürlich die Notaufnahmen der Krankenhäuser für die erste Hilfe zuständig. Die Notaufnahmen dürfen Dich nicht abweisen!

Sobald Du bei Deinem zuständigen Sozialamt gemeldet bist, stehen Dir für medizinische und ärztliche Beratung sowie, für alle von den gesetzlichen Krankenkassen zu tragenden Untersuchungen, Behandlungsscheine zu. Beantragen musst Du diese bei Deinem zuständigen Sachbearbeiter oder Deiner Sachbearbeiterin. Für den Fall, dass Dich Deine Krankenkasse noch nicht abgemeldet hat, kann das Sozialamt auf Antrag die Versicherungsbeiträge für die freiwillige Weiterversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse für Dich übernehmen.

Für notwendige Medikamente, Operationen und Zahnersatz ist das Sozialamt ebenfalls verpflichtet Kostenübernahmescheine auszustellen. Hierfür ist ein ärztliches Rezept, ein Attest oder gegebenenfalls ein ärztliches Gutachten notwendig.

Seit dem 1. Januar 2004 werden für SozialhilfebezieherInnen Versichertenkarten von den Krankenkassen ausgestellt. Dadurch fallen die Behandlungsscheine der Sozialämter weg. Allerdings werden die Versichertenkarten nur nach einem Antrag auf Mitgliedschaft ausgestellt. Die Voraussetzung für die Mitgliedschaft bei einer Krankenkasse ist aber ein fester Wohnsitz, eine polizeiliche Meldeadresse und der Bezug von Sozialleistung.

Achtung: Durch die langen Bearbeitungszeiten bei den Kassen kann es zu einer Versorgungslücke kommen. Beantrage also bei Deinen Sachbearbeitern im Krankheitsfall trotzdem die Ausstellung eines Behandlungsscheines bis Du Deine Versichertenkarte von der Krankenkasse bekommen hast.

Durch die Gesundheitsreform sind auch Sozialhilfeempfänger seit dem 1. Januar verpflichtet, Zuzahlungen zu leisten. Beantrage die Übernahme der Zuzahlung bei Deinem oder Deiner SachbearbeiterIn. Die Praxisgebühr für einen Arztbesuch im Quartal übersteigt zum Beispiel den Tagessatz zur "Hilfe zum Lebensunterhalt".

Im Zentrum Lehrter Straße der Berliner Stadtmission befindet sich die Krankenstation für Wohnungslose mit angeschlossenem Übergangshaus. Die Krankenstation nimmt Menschen auf, die von der Strasse kommen und medizinische Versorgung und sozialpädagogische Betreuung brauchen. Bis zu 20 Personen ab 18 Jahre können dort stationär aufgenommen werden. Die Aufnahme wird durch mehrere niedergelassene Ärzte geregelt und ist ohne vorhandene Kostenübernahme möglich.

Das Angebot umfasst 20 Betten in Zweibett- und Einzelzimmern, sowie eine durchgängige Betreuung durch Krankenpflegepersonal und Sozialarbeiter. Artzbesuche im Haus finden regelmäßig statt. Eine Vermittlung an Fachärzte ist möglich. Neben einer Grund- und Behandlungspflege sowie einer Vollverpflegung wird Beratung und Unterstützung je nach individueller Problemlage angeboten. Das umfaßt auch den Umgang mit Behörden, Suchtproblemen usw.

In einem zweiten Schritt wird eine Weitervermittlung in das Übergangshaus oder in eine andere betreute Wohnform angestrebt. Das Übergangshaus ist allerdings nur eine vorübergehende Unterbringung (ca. 18 Monate) für wohnungslose Männer über 21 Jahre.

Besonderheit: Das Übergangshaus nimmt auch "nasse" Alkoholiker auf. Für die Aufnahme ist ein Vorstellungsgespräch notwendig. Die Kostenübernahme wird von Sozialarbeitern vor Ort mit den zuständigen Ämtern geregelt.

Nochmal an dieser Stelle unsere eindrückliche Empfehlung: Wenn Du Beschwerden hast oder Dich krank fühlst, sofort einen Arzt aufsuchen und die Empfehlungen und Ratschläge ernst nehmen!

Um Deinen Gesundheitszustand zu erhalten oder zu verbessern, kannst Du einiges beitragen. Achte darauf, nach Möglichkeit:

  • täglich die Zähne zu putzen,
  • regelmäßig zu duschen oder zu baden,
  • Deine Kleidung, vor allem die Unterwäsche, regelmäßig zu wechseln,
  • auf eine abwechslungsreiche Ernährung zu achten,
  • witterungsgerechte Kleidung zu tragen
  • ,
  • nicht unmäßig Drogen zu Dir zu nehmen und
  • maßvoll Alkohol zu trinken.

Dass Dir das in Deiner Lebenssituation nicht immer leicht fällt, ist klar! Aber Deine Gesundheit sollte es Dir Wert sein!