1. Erste Hilfen zum Zurechtkommen und Überleben

1.6 Mobilität

 

Mobilität

Mobilität ist in Deiner Situation ein sehr wichtiger Aspekt. Nicht nur, um dort hin zu kommen, wo Du etwas erledigen oder erreichen willst, sondern auch, um für Menschen und Einrichtungen, die Nachrichten für Dich haben, erreichbar zu sein.

 

Bus und Bahn

Das Netz vom ÖPNV (Öffentlicher Personen Nahverkehr) in Berlin ist - trotz aller Kritik im einzelnen - vergleichsweise gut ausgebaut. Mit Strassenbahn (Tram), Bus, U-Bahn und S-Bahn ist fast jeder Ort in der Stadt gut erreichbar. Das gilt, mit gewissen Einschränkungen, auch für die Nachtzeit. Auch sind die Züge und Busse - was nicht unwichtig ist - im Winter gut geheizt. Der ÖPNV hat nur einen Nachteil: Er ist für arme und mittellose Menschen unerschwinglich teuer.

Achtung: Sei dem 1.4.2004 musst Du auch für Deinen Hund einen Fahrschein lösen.

Das nahe liegende Verfahren, einfach schwarz zu fahren, ist zwar unkompliziert jederzeit möglich, aber nicht zu empfehlen. Du musst ständig aufpassen, nicht kontrolliert zu werden. Das setzt Dich permanent unter Stress. Insbesondere zum Monatsbeginn wird wegen der Monatskarten verstärkt kontrolliert. Aber darauf verlassen, dass in der Mitte eines Monats weniger kontrolliert wird, kann man sich auch nicht. Ausserdem sind die Kontrolleure heutzutage nicht mehr uniformiert, dass heißt, Du kannst noch so achtsam sein, irgendwann wirst Du doch erwischt. Am einfachsten kommst Du dann aus der Situation raus, wenn Du das erhöhte Beförderungsentgeld (zur Zeit 40 Euro) sofort an Ort und Stelle zahlst - aber wer hat schon 40 Euro auf Tasche?

Solltest Du zudem keinen Ausweis bei Dir haben, haben die Kontrolleure das Recht, Deine Personalien festzustellen. Dann wird die Polizei hinzugeholt, und per Funk werden Deinen Angaben zur Person überprüft. Das erhöhte Beförderungsgeld musst Du trotzdem zahlen.

Bei Personen, die sich nur auf dem Bahnsteig aufhalten, um einen Kiosk aufzusuchen oder andere Fahrgäste zum Zug bringen oder abholen, wird kein erhöhtes Beförderungsentgelt erhoben. Zudem wird in glaubhaften Einzelfällen zum Beispiel bei Touristen, die aus Unkenntnis einen falschen Tarif gelöst bzw. den Fahrschein nicht entwertet, aber unmittelbar vor der Kontrolle erworben haben, der Fahrgast aufgefordert, den Fahrschein nachträglich zu entwerten bzw. dem Fahrgast geholfen, einen tarifmäßigen Fahrausweis zu erwerben.

Aber Vorsicht: Kontrolleure sind in der Regel mit Ausreden aller Art wohl vertraut und die Chancen, dass Du selbst mit einer guten Ausrede nicht durchkommst, sind relativ hoch.

Wenn Du mehrfach beim Schwarzfahren erwischt wirst, wird Dir der Tatbestand der Beförderungserschleichung unterstellt und Du musst mit einem Gerichtsverfahren rechnen. Du musst - wenn Du nicht das Gegenteil beweisen kannst - mit einer Geld- und schlimmsten Falls sogar mit einer Freiheitsstrafe rechnen. Damit kriegst Du noch weitere Schwierigkeiten zusätzlich zu denen, die Du ohnehin schon hast. Also nochmals: Schwarzfahren lohnt sich nicht.

Die Sozialkarte für Sozialhilfeempfänger wurde mit Beginn des Jahres 2004 abgeschafft, das Arbeitslosenticket zum 1.4.2004. Zur Zeit ist die Regelung so: Sozialhilfeempfänger können beim Sozialamt in konkret begründeten Einzelfällen beantragen, dass Fahrtkosten erstattet werden. Über eine Neuauflage vom Sozialticket wird zur Zeit diskutiert.

Eine günstige und zugleich kostenfreie Form, mit gültigem Fahrschein zu fahren, ist, sich an den Ausgängen von Bahnhöfen hinzustellen und die aussteigenden Fahrgäste freundlich nach noch gültigen Fahrscheinen zu fragen. Je nach Gegend und Tageszeit sollte es Dir gelingen, auf diese Weise zu einem Fahrschein zu kommen, der noch ein paar Minuten lang gültig ist. Aber Achtung: seit dem 1.4.2004 sind Fahrten nur noch in eine Richtung erlaubt. Rundfahrten oder Hin- und Rückfahrten sind nicht mehr möglich.

Achtung: Um pünktlich zu Terminen und Verabredungen zu kommen, musst Du dann aber mehr Zeit einplanen. Außerdem solltest Du ständig einen Blick auf die Uhr haben, denn abgelaufen ist abgelaufen und Kontrolleure sind nicht großzügig.

 

Alternativen

Wenn also die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln aus unterschiedlichen Gründen nicht in Betracht kommt, bleibt häufig nur die Variante, zu Fuß zu gehen. Stadtpläne zur Orientierung sind oftmals an Bushaltestellen oder auf Bahnhöfen zu finden. Zur Not kannst Du auch Passanten nach dem Weg fragen.

Wichtig ist, die Länge des Weges und die Witterung zu beachten: Hast Du eine Chance, noch rechtzeitig zu den Öffnungszeiten anzukommen oder ist es besser, die Angelegenheit auf den nächsten Tag zu verschieben? Sieht es nach Regen aus oder ist es kalt draußen? Gerade, wenn Du keinen festen Ort zum Bleiben hast, ist es wichtig, auf die Gesundheit zu achten.

Einige Einrichtungen für obdachlose und arme Menschen unterhalten Trödelprojekte und sammeln Gebrauchtmöbel. Auch gibt es vereinzelt in der Stadt Fahrradwerkstätten. Es kann sinnvoll sein, sich hier nach einem Fahrrad umzusehen. Das ist gerade in der Zeit von Frühjahr bis Herbst eine gute Alternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln, um Deine Ämtergänge und Besorgungen zu erledigen.

Der Kältehilfebus und auch das Arztmobil sind leider keine Möglichkeiten, die Du als Wohnungsloser zum Transport nutzen kannst. Der Kältehilfebus sammelt in den Wintermonaten Menschen auf, die keinen Schlafplatz gefunden haben und bringt sie in Notübernachtungen, und das Arztmobil ist dazu da, an verschiedenen Orten in der Stadt eine kostenfreie und anonyme ärztliche Versorgung anzubieten.

Die Standorte des Arztmobils findest Du im Adressenteil.

 

Erreichbar sein! Handy besorgen

Eine gute Möglichkeit, als Wohnungsloser für andere erreichbar zu sein, ist ein Handy. Nun ist es ohne Konto und Einkommen vergleichsweise schwierig, einen Vertrag abzuschließen und ein neues Handy gleichsam umsonst dazu zu bekommen. Als Alternative bleibt dann nur, sich nach einem gebrauchten Handy umzusehen und dazu eine sogenannte Prepaid-Karte zu erwerben.

Um Kosten zu sparen, solltest Du Dich in erster Linie anrufen lassen. Eine gute Strategie ist auch, Gesprächspartner anzurufen und um einen Rückruf zu bitten, mit dem Hinweis: "Mein Guthaben ist gleich aufgebraucht!" Eine andere Variante ist, Deinem Gesprächspartner eine sms zu schicken: "Ruf mich bitte dringend an!"

Ein anderes typisches Problem ist der Akku. Gerade bei gebrauchten Handys ist der Vorrat an Strom meist schnell erschöpft. Du solltest Deine Besuche in Einrichtungen und Treffpunkten dazu nutzen, den Akku regelmäßig aufzuladen.

Vorsicht: Bei bestimmten Gelegenheiten ist es eher ratsam, das Handy auszuschalten. Stell Dir vor, Du bist am Betteln, und plötzlich klingelt Dein Handy. Andere Menschen werden glauben, wer sich ein Handy leisten kann, hat es eigentlich nicht nötig, zu betteln.

 

Internet-Cafes

Immer mehr Einrichtungen und Treffpunkte gehen dazu über, in ihren Räumen Rechner mit Internet-Zugang bereitzustellen. Wenn es diese Möglichkeit gibt, solltest Du davon Gebrauch machen. Viele wichtige Informationen findest Du mittlerweile im Internet. Im Internet sind Ämter und Behörden zu finden, die auch wichtige Formulare zur Verfügung stellen, soziale Einrichtungen und Projekte stellen sich mit ihrem Angebot vor, und auch im Bereich Wohnungs- und Arbeitssuche gibt es viel zu finden.

Grundsätzlich kannst Du davon ausgehen, dass immer mehr wichtige Informationen im Internet zu finden sind. Deshalb können wir Dir nur empfehlen, Dir Zeit dafür zu nehmen, das Internet und seine Funktionsweise kennenzulernen.

Solltest Du Internet-Adressen nicht kennen, kannst Du es einfach mit der Bezeichnung versuchen, zum Beispiel www.arbeitsamt.de oder www.synanon.de. Das funktioniert aber nicht immer. Eine zuverlässigere Methode besteht darin, eine der Suchmaschinen zu benutzen, z.B. www.google.de oder www.fireball.de. Wenn Du nichts oder das Falsche findest, solltest Du noch mal über Deine Suchbegriffe nachdenken. Womöglich hast Du nur das Wort falsch eingetippt - dann kann der Rechner das nicht finden -, oder Du mußt Deine Suche zum Beispiel durch die Eingabe mehrerer Begriffe (Wohnungsbaugesellschaft und Berlin) stärker eingrenzen.

Ein ziemlich guter Online-Kurs zum Thema "Wie nutze ich das Internet?" ist zu finden unter der Adresse:

www.fh-potsdam.de/~Sozwes/projekte/steffan/final/frames.htm

Sollten die Einrichtungen, die kostenlose Internet-Arbeitsplätze bereitstellen, Computerkurse und Kurse zur Internet-Nutzung anbieten, solltest Du von dem Angebot Gebrauch machen. Auch wenn Du glaubst, Du weisst schon einiges.

Und solltest Du einmal nicht mehr weiter wissen, traue Dich, andere Nutzer zu fragen. Manchmal gibt es ganz einfache Lösungen für Dein Problem, auf die nur Du nicht gekommen bist.

Häufig ist es noch so, dass Einrichtungen durchaus über einen Internet-Anschluss verfügen, diesen aber nicht öffentlich für die Gäste und Nutzer zur Verfügung stellen. In solchen Fälle macht es Sinn, gezielt nachzufragen, ob Du den Rechner benutzen kannst, weil Du wichtige Sachen herausfinden musst.

 

email-Adresse

Wenn Du erstmal begonnen hast, Dich mit den Möglichkeiten der Internet-Nutzung zu beschäftigen, bist Du von der Einrichtung einer eigenen email-Adresse nicht mehr weit entfernt. Eine ganze Reihe großer Internet-Anbieter stellen kostenfrei email-Adressen zur Verfügung, die Du für Dich einrichten kannst. Solche Anbieter zum Beispiel sind www.web.de, www.gmx.de, www.hotmail.com, www.yahoo.de.

Bei der Bezeichnung der Adresse empfehlen wir, ernsthaft zu bleiben. Also nicht starkbierdieter@abc.de, sondern besser: dietermustermann@abc.de. Auch ist es wichtig, daß Du Dir Deine email-Adresse und Dein Passwort genau merkst. Wird die Adresse nicht exakt angegeben, kannst Du Dich entweder nicht mehr einloggen oder Nachrichten erreichen Dich gar nicht.

Auch solltest Du die Signatur verwenden, um den Menschen, die Du kontaktierst, weitere Informationen zu geben. Zum Beispiel: "Ich rufe durchschnittlich einmal pro Woche meine mails ab." Oder: "Bin unter der Handy-Nummer 01234-567 890 zu erreichen." Oder: "Zur Zeit in der Notübernachung xy in der z-Strasse zu erreichen." So kannst Du sicherstellen, dass Deine Partner eine Vorstellung davon haben, wie und in welchen Abständen Dich ihre Nachrichten erreichen. Die Signatur einer email ist eine Art persönlicher Visitenkarte, die Deiner Nachricht beigefügt ist.

 

Postanschrift

Viele Probleme entstehen dadurch, dass Dich Deine Post nicht erreicht. Gerade bei behördlicher Post werden Briefe zugestellt, in denen Fristen enthalten sind. Auch wenn Dich diese Briefe nicht erreichen, sind die Termine trotzdem bindend, und Deine Hinweise, nichts davon gewusst zu haben, sind im Zweifelsfall nicht relevant. Und schon gehen die Schwierigkeiten los. Aber vielleicht haben auch Freunde, Bekannte und Verwandte wichtige Nachrichten für Dich.

Wenn es einen Treffpunkt oder eine Einrichtung gibt, in der Du Dich voraussichtlich regelmäßig aufhalten wirst, solltest Du die Mitarbeiter fragen, ob Du diese Stelle als Postadresse angeben kannst. Manche Einrichtungen machen dies prinzipiell nicht, bei wieder anderen hast Du Chancen, vor allem, wenn Du dort schon länger bekannt bist. Bitte die Mitarbeiter, Dir das kurz schriftlich zu bestätigen. Diese Bestätigung kannst Du dann vorlegen, wenn es darum geht, dass Dir behördliche Post zugeschickt werden soll.