1. Erste Hilfen zum Zurechtkommen und Überleben

1.5 Einkommen/ Geld/ Kostenübernahmen

Nur wenige, die wohnungslos sind, verfügen über ein regelmäßiges Einkommen. Natürlich steht es Dir frei, zu betteln und zu schnorren. Du kannst alternativ dazu Autoscheiben wischen, Strassenzeitungen verkaufen, aus Containern Pfandflaschen sammeln, Einkaufswagen schieben, Kunststücke vorführen, Strassenmusik machen oder Dich als Strassenmaler betätigen, um ein paar Euro zu ergattern. Zumindest solltest Du Dir so das Geld für eine Fahrkarte besorgen, um zu Deinem zuständigen Sozialamt zu gelangen.

ACHTUNG: Schwarzfahren kann leider bis zur Freiheitsstrafe führen! (siehe Thema: "Mobilität").

Um an regelmäßiges Einkommen zu gelangen, solltest Du beim Sozialamt "Hilfe zum Lebensunterhalt" beantragen. Wenn Du nicht alleine zu Recht kommst, findest Du in vielen Einrichtungen für Wohnungslose kompetente Leute, die Dir bei der Beantragung helfen können. Keine Angst, wenn Du noch eine unerledigte Geldstrafe, Bewährung oder sonstiges bei staatlichen oder privaten Institutionen offen hast. Auch da lässt sich mit einer kompetenten Beratung und einem offenen Umgang meistens etwas klären, bevor das "Amt" Dich zum Termin bestellt!

Die Hilfe zum Lebensunterhalt ist so knapp bemessen, dass sie gerade mal zum Überleben reicht. Über gemeinnützige zusätzliche Arbeit, Gelegenheitsjobs, Zeitarbeit und Minijobs lassen sich auch ein paar Euro dazuverdienen. Die nicht anzurechnende Obergrenze des Zuverdienstes ändert sich jährlich und ist bei Deinem zuständigen Sozialamt zu erfahren.

Änderung: Seit dem 1.1.2004 werden arbeitsfähige Sozialhilfeempfänger verstärkt dazu angehalten, sich Arbeit zu suchen und zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes aktiv beizutragen. Wer sich weigert, die ihm gebotenen Möglichkeiten anzunehmen, kann vom Leistungsbezug teilweise oder ganz ausgeschlossen werden.

Für Leute, die noch eine Geldstrafe offen haben und diese nicht begleichen können, gibt es die Möglichkeit, diese über "Arbeit statt Strafe" bei gemeinnützigen Einrichtungen abzuarbeiten, statt sie abzusitzen.

Den Antrag auf Abarbeiten Deiner Geldstrafe kannst Du bei der Staatsanwaltschaft, bei Hilfseinrichtungen der Justiz (Straffälligen- und Bewährungshilfe) direkt oder über einen gemeinnützigen Träger stellen. Also, scheu Dich nicht, auch wenn da noch was "offen" ist, Dein Leben wieder in legale Bahnen zu leiten.

Nicht immer gibt es Geld vom Sozialamt. Für bestimmte Leistungen erstellt das Sozialamt in Einzelfällen Kostenübernahmescheine. Das heißt, das Sozialamt bestätigt Dir, dass es die Kosten für eine bestimmte Leistung übernimmt und das Geld direkt an den Gläubiger (Vermieter, Möbelhändler, Berater usw.) zahlt. Du kannst dann mit dem einkaufen gehen, eine Wohnung mieten, Dich beraten lassen usw., Du bekommst aber kein Bargeld. Oftmals gibt es für Miete, Wohnungseinrichtung, Behandlungskosten beim Arzt (Änderung ab 2004), neue Kleidung, Schuldnerberatung, Rechtsberatung und dergleichen solche Kostenübernahmescheine (siehe auch Sozialhilfebroschüre für Berlin & Brandenburg).

Änderung: Ab 2004 ändert sich in Bezug auf die Kostenübernahme für ärztliche Versorgung einiges. Siehe medizinische Versorgung Wohnungsloser.

Grundsätzlich gibt es drei legale Wege, um an Geld zu kommen:

  • Du fragst andere Leute, ob sie Dir etwas geben (Betteln)
  • Du tust etwas, und im Gegenzug erhältst Du Geld (Arbeit)
  • Du nimmst das für Dich vorgesehene Geld in Anspruch (Sozialhilfe)
Die Übergänge zwischen diesen drei Formen sind fliessend.

Über die illegalen Wege, an Geld zu kommen, reden wir hier nicht. Aktionen wie Diebstähle, Hehlerei, Überfalle, Handel mit illegalen Drogen, Einbrüche usw. zahlen sich nicht wirklich aus und sind deshalb nicht zu empfehlen.

Wie man sich für einen angebotenen Job bewirbt, dürftest Du eventuell noch wissen, jedoch wird Dir auch klar sein, dass der Arbeitsmarkt diejenigen bevorzugt, die noch nicht so lange arbeitslos sind. Welche Fördermöglichkeiten Langzeitarbeitslosen und jungen Leuten mit und ohne Ausbildung zur Verfügung stehen, findest Du unter dem Thema "Arbeit & Beschäftigung".